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Interview


Wie seid ihr auf den Rhodesian Ridgeback gekommen?

Alles Andere als eine spontane Entscheidung!

Wir sahen einen Rhodesian Ridgeback 1998 erstmalig an den Dresdner Elbwiesen und waren von der Ruhe und Eleganz, die diese Rasse ausstrahlt, sofort beeindruckt. In der Folgezeit versuchten wir viel über die Besonderheiten dieser Rasse zu erfahren, verschlangen eine Menge an Literatur, besuchten Ausstellungen und kamen mit Züchtern ins Gespräch.

Als dann auch die äußeren Rahmenbedingungen geschaffen waren, stand für uns fest, dass ein Ridgeback perfekt zu unserem Leben passt und unser neues Familienmitglied werden soll. 

Im Sommer 2004 zog dann der erster Rüde, Vignons Akeyo, bei uns ein und begleitete uns 12,5 Jahre lang.

 

Wusstet ihr von Anfang an, dass es mehr als ein Hund sein soll?

Äh, wie jetzt… MEHR oder EIN Hund?????

MEHR als ein Hund, das waren unser Ridgebacks immer für uns! Familienmitglied, Kumpel, Seelentröster, feste und zuverlässige Größe in einer nicht immer verlässlichen Welt.  

Mehr als EIN Hund, das war nicht der ursprüngliche Plan. Überall hört man – Rhodesian Ridgebacks sind schwierig, nicht als Anfängerhunde geeignet und und und…

Darum wollten wir uns voll auf Akeyo konzentrieren und natürlich alles richtig machen. Er kam aus Pretoria, war somit ein „reiner Afrikaner“ und stellte uns damit vor so manche Herausforderung. Wir haben natürlich nicht alles richtig gemacht! Wir sind aber unendlich dankbar dafür, dass Akeyo als erster RR in unser Leben getreten ist. Er gab uns die Möglichkeit, viel über ihn, die Rasse und über uns zu erfahren und wir konnten dabei jede Menge lernen, wovon wir noch heute profitieren.  

 

Wann stand für euch fest, dass ihr züchten möchtet?

Bei dieser Frage kommt man an den Punkt, wo man anfängt, über Zufälle nachzudenken!

Ursprünglich wollten wir nur einen Hund als Familienmitglied und an Zucht dachten wir überhaupt nicht! Und dann kam der 24. April 2005...

Durch Akeyos afrikanische Wurzeln sprach man uns aber immer mal darauf an, ob wir ihn einmal ausstellen würden. Bei der 2. Nationalen Rassehundeausstellung in Dresden, also direkt vor unserer Haustür, wollten wir es wenigstens einmal versuchen. Akeyo war gerade ein Jahr alt und wir hatten so gar keinen Plan von der Ausstellerei. Ohne Vorbereitung, mit einem Hund, einer Decke und einer Leine bewaffnet, zogen wir los. Dank der hilfsbereiten RR-Leute am Ring, schafften wir unseren Auftritt in der Jugendklasse. Die Bewertung machte uns sprachlos. Akeyo gewann seine Alterklasse und wurde im Anschluss, aus der Jugendklasse heraus, noch Bester der Rasse. Damit gelang ihm bei seinem Ausstellungsdebüt auch gleich noch ein Auftritt im Ehrenring, wo er Drittbester der gesamten FCI Gruppe 6 wurde.

Drei Erkenntnisse von diesem Tag bestimmten daraufhin unseren weiteren Weg:

               1. Ausstellen macht Spaß und ist eine andere Form der gemeinsamen Arbeit.

               2. Die RR-Leute am Ring sind eine tolle Gemeinschaft und es macht Freude, mit ihnen

                    gemeinsam Zeit zu verbringen. 

               3. Akeyo hatte Aufsehen erregt und wir erhielten seine erste Deckanfrage.

Nachdem Akeyo die Zuchtzulassungsprüfung in der DZRR bestanden hatte, konnten wir Anfang 2007 erleben, wie seine ersten Welpen in einem befreundeten Ridgebackkennel geboren wurden und heranwuchsen. Diese intensiven Wochen mit den kleinen Fellnasen ließen bei uns den Wunsch nach einer eigenen Hündin und einer damit verbundenen Zucht,  entstehen. Dieses Mal brauchten wir keine 6 Jahre Vorbereitungszeit. Bei verschiedenen Ausstellungen hatten wir die Familie Jungmann und ihre Hündinnen kennen gelernt und in ihnen und dem Mashanga Kennel die für uns richtigen Züchter gefunden. Aluna zog bereits im Herbst 2007 bei uns ein und wurde damit die Stammhündin der Panda-ma-Tengas.  Mit der Familie Jungmann verbindet uns noch heute eine intensive Freundschaft. Auch hier durften wir viel Lernen und Alunas Züchterpapa stand uns jederzeit mit Rat und Tat zur Seite.

PS.: Obwohl Akeyo weiterhin erfolgreich an Ausstellungen teilnahm, konnte er seinen ersten Ausstellungserfolg, „Bester der Rasse“, nie wiederholen... 

 

Welche Bedingungen muss man als Züchter erfüllen?

Das ist eine nicht ganz einfache Frage und hängt weitestgehend davon ab, wie man den Begriff „Züchter“ definiert.

Es gibt 3 RR-Vereine (DZRR/ RRCD/Club-Elsa), die unter dem VDH. Aber auch in anderen Vereinen wird natürlich gezüchtet. Dazu kommen noch die „vereinslosen Hündinnen“, die in ihrem Leben eben nur einmal Welpen haben sollen…

Diese unterschiedlichen Voraussetzungen ziehen natürlich auch unterschiedliche Bedingungen in der Aufzucht nach sich.

Generell muss man sagen, es gibt überall Züchter, die für das gesunde Heranwachsen ihrer Welpen und für das Wohlbefinden der erwachsenen Hunde alles tun. Aber leider gibt es auch überall die „schwarzen Schafe“. 

Jeder Test, jede Kontrolle und jede Untersuchungen, mit deren Hilfe man versuchen kann, nur gesunde, wesensfeste Elterntiere, die dem Rassestandard entsprechen, zur Zucht zuzulassen, verlangt neben einem hohen Zeitaufwand auch einiges an Kosten. Darum stellt sich die Frage, in wie weit werden diese weitreichenden Prüfungen von JEDEM durchgeführt, wenn keine konsequente Kontrolle dahinter steht?????

Wir Züchter, die sich den Statuten des VDH (Verband für das Deutsche Hundewesen) bzw. der FCI (Internationaler Dachverband, dem der VDH angeschlossen ist) unterwerfen, unterliegen einer strengen Kontrolle durch ihren Verein und haben viele Auflagen zu erfüllen.

 Dazu zählen unter anderem:

  -erfolgreiche Teilnahme an mehreren Ausstellungen, mit mindestens der Bewertung "Sehr gut"

  -Ärztliche - und Röntgenuntersuchung der Elterntiere, wie z.B. 

HD- Beurteilung, ED/  OCD 

Dilute - Test

JME (Juvenile meyoklonische Epilepsie)

Degenerative Myelopathie

DNA-Test

 

  -Kontrolle und Abnahme der Zuchtstätte durch einen Zuchtwart des Vereins 

  -Zuchtzulassungsprüfung der Elterntiere mit Augenmerk auf Exterieur, Gesundheitszustand, 

    veranlagungsrelevante Kriterien und Wesensfestigkeit

  -regelmäßige Weiterbildung der Züchter durch Züchterschulungen   

  -Wurfabnahme aller Welpen durch den Zuchtwart, mit einem Einzelbericht für jeden Hund

  -verboten sind mehrere Würfe zur gleichen Zeit und die gleichzeitige Zucht verschiedener Rassen

Alle diese Auflagen erfordern von den Züchtern, neben der Liebe zum Tier, eine Menge Idealismus, viel, viel Zeit und etwas handwerkliches Geschick. Natürlich sind diese Auflagen auch mit Kosten verbunden, was erklärt, warum Welpen aus einer nicht VDH- kontrollierten Zucht oft preisgünstiger angeboten werden können.

Aber diese Kontrollen sind sinnvoll, bieten sie doch den Welpenkäufern ein größtmögliches Maß an Sicherheit (was bei Lebewesen gegeben werden kann) um einen gesunden, wesensfesten und dem internationalen Rassestandart entsprechenden Rhodesian Ridgeback zu erhalten. Welpen aus diesen Zuchtstätten sind bei ihrem Umzug in die neue Familie bereits mehrfach entwurmt, geimpft und mit einem Microchip versehen.

Sie  besitzen eine Ahnentafel mit dem Logo des VDH bzw. der FCI. Nur diese Papiere sind weltweit anerkannt und stehen für einen einheitlichen Qualitätsstandart.

Es sind also nicht „Papiere“ ganz allgemein wichtig, denn die kann sich jeder selbst drucken, sondern die Kontrollen und Sicherheiten, die sich hinter den „richtigen Papieren“ verbergen.

 

Und hier noch ein paar Sätze, die uns sehr am Herzen liegen. Geben sie bitte dem illegalen Welpenhandel keine Chance, indem sie Angebote bei EBAY und ähnlichen Plattformen in Erwägung ziehen. Für die Euros, die sie bei diesen Angeboten sparen, zahlen viele Hündinnen und ihre Welpen mit dem Leben. Leider ist dabei auch falsch umgesetztes Mitleid kein guter Ratgeber, denn solange sich der Welpenhandel für diese skrupellosen Vermehrer lohnt, werden weiterhin Hündinnen dafür missbraucht und anschließend entsorgt…

 

Welche Momente liebt ihr als Ridgeback-Züchter besonders?

Da gibt es drei Dinge, die wir als Züchter besonderes genießen.

Es ist wunderschön, sein Rudel harmonisch und gemeinsam bei der Aufzucht eines Wurfes zu erleben. Die Arbeitsteilung und das Zusammenspiel aller Hunde ist faszinierend und kommt den Welpen in ihrem weiteren Leben zu Gute.   

Des Weiteren erfüllt es uns mit großer Freude, den Lebensweg unserer Welpen weiter zu verfolgen. Es gibt nichts Schöneres, als wenn die neuen Besitzer und unsere kleinen Fellnasen zu einem funktionierenden Team zusammen wachsen, in dem sowohl Zwei-, als auch Vierbeiner einfach nur glücklich miteinander sind.  

Und als Letztes darf die Wiedersehensfreude nicht unerwähnt bleiben. Es ist unglaublich, wie ungebremst uns „unsere Welpen“ bei jedem Wiedersehen, auch viele Jahre später, immer noch überrennen. Da werden selbst blaue Flecken gern in Kauf genommen.

 

Und welche rauben euch den letzten Nerv?

Die nervenden Situationen beziehen sich weniger auf das Züchten und viel mehr auf ganz normale Alltagssituationen… Hier mal die Wichtigsten unserer Top Ten - Liste.

Da begegnet man z.B. mit seinem angeleinten, entspannten Rudel, anderen Vierbeinern. Diese bauen sich in der Wegmitte auf und motzen was das Zeug hält, ohne das dabei irgendeine Reaktion des dazugehörigen Zweibeiners erfolgt. Wenn man dann die „Gefahrenstelle“ erfolgreich passiert hat, bekommt man die Erklärung nachgeliefert. „Da kann ich nichts machen, der hat einfach nur Angst.“

Diese Situation ist nur noch damit zu toppen, wenn fremde, unangeleinte Hunde, mal ganz spontan in dein Rudel brettern. Aber keine Bange, geht dabei etwas schief ist die Schuldfrage von vornherein klar -  Die Großen sind die Übeltäter!

Man holt, nach einem gemütlichen Gaststättenbesuch, seine 3 Hunde, die bis zu diesem Zeitpunkt weder zu hören noch zu sehen waren, unter Tisch und Bänken hervor und wird mit der Frage konfrontiert: “Aber warum müssen es den so viele sein?“

Und dann sind da noch die Rennfahrer unter den Fahrradfahrern. Sie ignorieren mit einer erstaunlichen Selbstverständlichkeit die Grundsätze der gegenseitigen Rücksichtnahme bei der Benutzung von gemeinsamen Fahrrad - und Fußwegen, auf denen keine Leinenpflicht besteht. 

Ich rufe doch gern unsere Hunde heran, um die Fahrradfahrer ungehindert passieren zu lassen. Das setzt aber voraus, dass bei rückwärtiger Annäherung ein rechtzeitiges Klingeln erfolgt, was mir und den Vierbeinern auch Zeit für eine Reaktion lässt.  

 

Gab es eine bestimmte Situation, die euch fest im Gedächtnis geblieben ist?

Eine Nachzuchthündin aus unserem A-Wurf hat 2010  ihr Zuhause in Namibia gefunden.  Ihre Zweibeiner konnten genau einschätzen, wie es uns als Züchter dabei geht und das wir uns immer fragen würden, wie ihr Leben dort aussieht.

2011 konnten wir die Einladung auf ihre Farm, mit einer Rundreise durch Namibia verbinden. Die gemeinsam Tage mit Alva waren einmalig und die Eindrücke nahezu unbeschreiblich. Wir werden sie nie vergessen. 

 

Hat man als Züchter Lieblings-Welpen, obwohl man weiß, dass das Herzen bricht?

So ein Abschied ist nie einfach und es bricht einem immer fast das Herz… Dagegen hilft nur, dass man sich bemüht, die genau richtigen Welpeneltern zu finden, denen man mit einem gutem Gefühl einen Ridgeback anvertrauen kann.

Sind Welpen in dem Wurf, denen der Start in’s Leben etwas schwerer fiel als ihren Geschwistern, so bekommen sie natürlich die meiste Aufmerksamkeit. Man sorgt dafür, dass die Kleinsten immer die besten Zitzen bekommen, dass sie genügend Platz an der Futterschüssel haben und auch an Zuwendung darf es natürlich niemals fehlen.

Trotzdem liebt man jeden Einzelnen von ihnen und versucht so früh wie möglich seine besonderen Eigenschaften und Wesensmerkmale zu erkennen. Jeder Welpe ist dabei einzigartig und es gibt kein GUT oder SCHLECHT, keine 1. oder 2. Wahl. Die Herausforderung besteht vielmehr darin, für jede kleine Fellnase genau DAS richtige Zuhause zu finden. Dabei stellen sich immer wieder verschiedene Fragen, deren Beantwortung durchaus einen Unterschied machen können.

Besitzt seine zukünftige Familie bereits Hundeerfahrung? Gehören Kinder zu seinem Rudel und in welchem Alter sind diese? Muss sich der Welpe mit anderen Haustieren arrangieren? Wird er als Einzelhund leben oder erwarten ihn bereits ein oder mehrere Artgenossen? Ist für ihn eine Ausstellungskarriere geplant? Und vieles mehr…

 

Welche Charakter-Eigenschaften sollte jemand, eurer Meinung nach mitbringen, der sich für das Zusammenleben mit dieser wundervollen Rasse entscheidet?

Löwenjägergeeignet sind ausgeglichene, geduldige und konsequente Menschen, die einen ursprünglichen, selbständigen und intelligenten Hund erziehen können und nicht auf einen "blinden Gehorsam" hoffen.

Die Entscheidung für ein neues Familienmitglied sollte dabei immer gut durchdacht und von jedem Einzelnen mit getragen werden. Ein Welpenkauf darf nie unüberlegt oder übereilt erfolgen, denn schließlich bindet man sich damit für die nächsten 10-12 Jahre. Viele Fragen muss man sich unbedingt im Vorfeld stellen und auch ganz ehrlich beantworten:

Habe ich mich ausreichend über die Besonderheiten und Wesenszüge der Rasse Rhodesian Ridgeback informiert?

Bin ich gewillt, eine geeignete Hundeschule zu besuchen und habe ich die nötige Geduld, besonders in den ersten drei Jahren, die späte Reife eines RR zu tolerieren?

Sind alle Familienmitglieder mit dem neuen Rudelmitglied einverstanden?

Entsprechen meine räumlichen Bedingungen den Anforderungen für das Zusammenleben mit einem großen Hund? (Treppen für Welpen und den später alten Hund beachten)?

Erlaubt es mein finanzieller Rahmen, über den Welpenkauf hinaus, zuverlässig für Futter, Tierarztrechnungen, Versicherung, Steuer usw. zu sorgen?

Habe ich die Möglichkeit beim Einzug eines Welpen, die ersten Wochen rund um die Uhr für ihn da zu sein?

Bin ich langfristig bereit, mehrere Stunden meiner Freizeit, für Spaziergänge bei jedem Wetter, Beschäftigung, Erziehung, Ausbildung, Pflege  und Streicheleinheiten, einzubringen?

Gestattet es mein Sinn für Sauberkeit, mit einem Hund in der Wohnung/Haus zu leben?

Finde ich es toll, meine Teppiche z.B. während der Läufigkeit meiner Hündin, zusammenzurollen und aus dem Wohnzimmer zu verbannen? (Oder sie liegen zu lassen und anschließend zu entsorgen?)

Bin ich willens, meinen Hund permanent um mich zu haben und kann ich sicherstellen, dass mein erwachsener Hund nicht zu lange allein bleiben muss?

Wie sieht es mit meinen Urlaubsgewohnheiten aus? Kann ich meinen Ridgeback mitnehmen oder steht in einem Notfall ein geeigneter Hundesitter zur Verfügung?

Stört es mich nicht im geringsten, an jedem Kleidungsstück und überall sonst, kurze, stachlige, braune "Ridgie-Haare" in Kauf zu nehmen?

 

Man muss sich wirklich sicher sein, die eigenen Bedürfnisse mit denen seines Hundes, im ganz normalen Alltag und jeden Tag auf' s Neue, in Einklang bringen zu können. Sind dabei zu viele Kompromisse nötig, werden sie langfristig nicht die tiefe Freude empfinden können, die das Zusammenleben mit einem RR bietet.

Aber wenn die Voraussetzungen stimmen, wird ihr Partner HUND eine große Bereicherung sein und unendlich viel Abwechslung, Freude, Entspannung und Liebe in ihren Alltag bringen.